Panflöten oder panflötenähnliche Instrumente existieren in unterschiedlichen Formen und Bauarten auf verschiedenen Kontinenten der Erde (Siehe: Herkunft und Verbreitung). Sie haben sich in den vielen Tausend Jahren fast über den ganzen Globus ausgebreitet. Die Vielfalt und die unterschiedlichen Bauarten sind bezogen auf die Einfachheit des Instrumentes verblüffend. Auch in Material und Form unterscheiden sich die Flöten, je nach Herkunft (Siehe: Materialien - Bambus). In der Schweiz hat sich die rumänische Bauart der Panflöte etabliert. Sie sind meistens aus Bambus gefertigt und werden im folgenden näher betrachet. 

Aufbau einer rumänischen Panflöte "Nai"  

 bild querschnitt panfloete

 Querschnitt durch eine Akermann-Panflöte mit dem Aufbau: Leim - Korken - Bienenwachs.

Bildbeschreibung: 

  1. Rohre aus Bambus, Edelholz, Glas, Metall, usw. 
  2. Schuh, Fuss oder einfach nur geleimt 
  3. Korken 
  4. Wachs (meist Bienenwachs) oder auch andere Materialien

Das Rohrmaterial Bambus

Die Rohre bestehen aus lange gelagertem Tonkin-, Taiwan oder Chinabambus. Es werden jedoch auch andere Materialen verwendet, wie z.B. Edelhölzer, Glas, Porzellan, Metall etc. (siehe Beitag: Materialien). Des öfteren werden die Bambusrohre auch einer speziellen Wärmebehandlung unterzogen, welche diese danach sehr dunkel erscheinen lassen (Siehe: Das Panflötensortiment). 

Stationen des Panflötenbaus

Im folgenden werden die wichtigsten baulichen Stationen im Panflötenbau kurz erläutert, wobei natürlich jeder Bauer seine ganz individuellen Arbeitsabläufe bevorzugt, welche ein Stück weit auch ein Berufsgeheimnis sind. Man kann den Panflötenbau jedoch im allgemeinen in folgende Stationen gliedern: 

1. Aussuchen der Bambusrohre

In diesem Arbeitsschritt werden die optimalen Rohre für das zu bauende Instrument ausgesucht und es wird bereits jetzt auf Kundenwünsche (z.B. Wandstärken, Innen-, und Aussenrohrdurchmesser, Klang, etc.) eingegangen. Diese Arbeit erfordert vom Bauer sehr viel Erfahrung und Know how, da er neben sehr guten Materialkenntnissen und dessen Verhalten bei der spanenden Formgebung/Fertigung, sich  auch sehr gut in die Kundenwünsche hineinversetzen muss. Zudem macht sich der Bauer schon bei der Rohrauswahl Gedanken, welche Seite der Bambushore nachher das Mundstück bildet. Also auf welcher Seite das Instrument nach der Fertigung angeblasen wird. Die Innenfläche der Rohre kann an dieser Stelle schon mal ausgebürstet und so von der inneren Bambushaut gereinigt werden. Es ist ein grosser Vorteil, wenn ein Panflötenbauer auch selbst ein praktischer Panflötenspieler ist, um noch besser nachzuvollziehen, wie sich ein Instrument bei intensivem Gebrauch verhält. Natürlich gibt es auch sehr gute Panflötenbauer, welche kaum noch Zeit zum Spielen finden und trotzdem herausfinden, was der Kunde wünscht. 

2. Entbasten der Rohre

Unter dem Entbasten oder Schälen der Bambusrohre versteht man das Abziehen der äusseren Bambushaut, nach welcher die definitive Farbe und Musterung des Bambus in Erscheinung tritt. Es gibt auch Bauer, welche diesen Arbeitsschritt erst nach dem zusammenkleben der Rohre tätigen, um eine grössere Stabilität im Halten des Instruments zu haben. Eine andere Möglichkeit bietet das maschinelle entbasten der Rohre. Auch in diesem Bereich hat jeder Bauer sein eigenes System von welchem er überzeugt ist.

3. Bohren, Anschleifen und Zusammenleimen der Rohre

Im Panflötenbau werden unter anderem Bambusarten verwendet, welche in der Natur sehr dickwandig wachsen und deshalb für den Bau aufgebohrt werden müssen. Andere Bambusarten werden unaufgebohrt verwendet und nur leiht ausgeschliffen, da sich diese nicht für eine spanende Formgebung eignen. Je nach den klanglichen Vorstellungen, nach welchen ein Bauer seine Instrumente baut, können die innenrohre verschiedenenen Behandlungen unterzogen werden um das gewünschte klangliche Resultat zu erreichen. Diese Arbeitsvorgänge sind ein Berufsgeheimnis jedes einzelnen Bauers. Nun werden die Rohre auf den Seiten angehobelt oder angeschliffen, bis sie perfekt in der gewünschten Biegung zusammenpassen und die Rohrübergänge dicht beieinander liegen. Zudem entscheidet und markiert der Bauer jetzt definitiv, welche Rohrseite das Mundstück bildet, also die Seite, an welcher das Instrument später angeblasen wird. Dabei berücksichtigt er die natürliche Wachstum und die Biegung der Rohre. Mit einem Leim werden die Rohre danach zusammengeklebt und auf einem "Bock" in Form eines Halbkreises fixiert. Dieser bildet die endgültige Form, welche das Instrument am Schluss aufweist. Auf dieser Form bleibt die Flöte je nach Bauer einige Tage oder Wochen aufgespannt bis die Feuchtigkeit ausgetreten ist und die Rohre fest miteinander verbunden sind.  

Ulitza-Panflöte vom bekannten deutschen Panflötisten Ulrich Herkenhoff. 

4. Befestigen des "Schuhs"

Nun werden die geklebten Rohre auf der Unterseite in die endgültige Gehrung/Form gesägt. An dieser Stelle enstbasten einige Bauer die Rohre von der Aussenhaut. Einige Panflötenbauer schliessen zudem das untere Rohrende mit einem Korken ab, um eine bessere Stimmstabilität zu gewährleisten. Bevor die Unterseite des Schuhs aufgeklebt wird, befestigt der Bauer die Seitenblenden und fixiert diese mit Gummibändern (z.B. Veloschläuche, Textilgummiband etc.). Nach dem Austrocknen der Seitenleiste wird nun der Boden des Schuhs aufgeklebt und nach dem trocknen geschliffen, polliert und lackiert. Dieser Schuh kann bei Konzert-, Solisten-, und Meisterpanflöten aus kostbaren Edelhölzern und aufwendigt gefertigten Einlagen und Schnitzereien gefertigt werden. 

5. Anschleifen des Mundstückes und Stimmen 

Um das Instrument einer Grobstimmung zu unterziehen, wird das Mundstück, an welchem das Instrument angeblasen wird in einer erforderlichen Standard-Form angeschliffen und danach mit Bienenwachs oder einem anderen vom Bauer gewählten Material gestimmt (in der Regel diatonisch in G-Dur, oder in einer anderen Tonart). Anschliessend wird der Schliff des Mundstückes fertiggestellt und auf Kundenwünsche angepasst. Nun wird das Instrument abgeschliffen, gereinigt polliert und eventuell lackiert. Im Internet findet man veschiedene Beiträge, wie Panflötenbauer ihre Instrumente fertigen. Einige Bauer bieten nach einer Einspielzeit von etwa einem halben Jahr eine Anpassung des Mundstückes im Sinne einer Nachjustierung an. Damit wird das Instrument auf die individuelle Kifer-, und Lippenanatomie eingestellt.